Entstehungsgeschichte

Thron, Krone, Schloss und Schild "Königreich zu verschenken"

Kurioserweise hätte es „Königreich zu verschenken“ beinahe nie gegeben. Denn dies war nicht die Geschichte, die ich ursprünglich hatte erzählen und schreiben wollen. Angefangen hatte alles damit, dass ich mir 2002 Gedanken über die große Faszination für Adels- und Königshäuser in Deutschland machte und das, obwohl wir selbst schon lange nicht mehr über eine eigene Monarchie verfügen. Wäre es nicht spannend, dachte ich mir, wenn wir Deutschen eines Tages aus Frust über die aktuellen politischen Verhältnisse beschließen würden, einen König oder eine Königin für Deutschland zu wählen? Vielleicht sogar in einer Casting-Show im Fernsehen?

Die Idee gefiel mir gut und rasch fing ich an, mir eine Grundstory zu überlegen und Charaktere zu entwickeln. Doch als ich anfangen wollte zu schreiben, ging plötzlich gar nichts mehr. Die Worte wollten nicht kommen, die Figuren weigerten sich, mir ihre Geschichte zu erzählen.

„Ja, bist du denn bescheuert?“, fragte mich eine von ihnen, als ich sie schließlich zum Grund für ihr störrisches Verhalten befragte. „Wer will denn bitte schön ernsthaft Königin oder König werden, wenn er oder sie es nicht muss? Die ganze Zeit in der Öffentlichkeit stehen, die jeden kleinsten deiner Fehler sieht und kritisiert? Mal ehrlich, Nicole, du und ich, wir sind zwei kleine Tollpatsche, besonders im Rampenlicht. Würdest du ernsthaft jedes deiner Missgeschicke auf Foto oder Video festgehalten sehen wollen? Nee, König ist nichts für mich. Such dir einen anderen.“

Alexanders Worte machten mich nachdenklich und plötzlich fingen auch die anderen Figuren an, mit mir zu reden.

„Weißt du“, meinte Karolina, „Prinzessin oder Königin zu sein, das hört sich für ein normales Mädchen gar nicht mal so schlecht an. Bis du dann plötzlich selbst in ihren Glasschuhen steckst und diese sich verdammt eng anfühlen. Prinzessin oder Königin zu sein ist in der Realität doch etwas ganz anderes als im Märchen oder im Film. Und wenn ich wählen könnte, dann würde ich mich für den Film entscheiden. Denn dort kann ich meine Prinzessinnen-Rolle nach Drehschluss ablegen. In der Wirklichkeit müsste ich sie mein Leben lang tragen. Wer will das schon?“

„Es muss im Leben doch noch etwas mehr geben als nur die Pflicht“, sagte Peter. „Prinz oder König, das ist ein echter Full-time-Job mit riesiger Verantwortung, wenig Freizeit und wenig echten Freunden. Jeder will etwas von dir. Doch was willst du? Klar, ich wäre in der Lage, diesen Job zu übernehmen und ihn auch gut zu machen. Doch für wie lange, bis ich ausgebrannt bin? Habe ich denn nicht auch ein Anrecht darauf, mein Leben selbst zu bestimmen, auch wenn ich der nächste Anwärter auf den Thron bin? Habe ich nicht das Recht, mich für Ja oder für Nein zu entscheiden?“

„Prinz oder König zu sein, ist definitiv nicht das Beste, was einem Menschen passieren kann“, stimmte Julien ihm zu. „Nicht jeder ist für diese Bürde geboren. Doch was ist mit der nächsten Generation, wenn wir eine neue Erbmonarchie wählen? Es kann doch sein, dass wir jetzt die besten Kandidaten für den Thron haben und dann die folgende Generation gar nicht für den Job geeignet ist. Sollte nicht jeder machen dürfen, was er gut kann? Sich seinen Job selbst aussuchen dürfen? Die Jobs für Prinzen sind doch recht eingeschränkt – und mal ehrlich, kannst du dir mich als Repräsentant der Krone oder als Offizier im Dienst des Königreichs vorstellen?“

Sie hatten Recht. Ich konnte ihre Gründe abzulehnen gut verstehen. Doch wenn alle optimalen, offensichtlichen oder plausiblen Kandidaten ausschieden, wer blieb denn dann noch übrig?

„Nun komm bloß nicht auf die Idee, die Sache mir aufs Auge zu drücken!“, sagte Alfred entsetzt. „Meinst du, ich habe Lust darauf, als ältester Prinz der Geschichte den Thron zu besteigen? Was heißt hier besteigen! Rauftragen müsste man mich! Ich schaffe doch eh kaum noch einen Schritt ohne meinen Rollstuhl und dann willst du mir all die körperlich anstrengenden Pflichten eines Monarchen aufbürden? Ja, willst du denn, dass ich einen Herzinfarkt bekomme und als Krüppelkönig in die Geschichtsbücher eingehe?“

Buchcover zum witzigen Roman "Königreich zu verschenken"Nachdem ich mich recht kleinlaut bei meinen Figuren entschuldigt hatte, habe ich einige Zeit über ihre Argumente nachgedacht. Und dann habe ich angefangen, die Geschichte zu schreiben, die sie mir erzählen wollten. Nur die Castingshow und die Figuren habe ich übernommen. Die Idee zu „Königreich zu verschenken“ war geboren.

Am Ende entschloss ich mich dann, die Geschichte doch nicht in Deutschland oder einem anderen konkreten Land spielen zu lassen. Sie könnte in jedem europäischen Land mit einer Monarchie spielen. Mir war es wichtig, mich in diesem Punkt nicht festzulegen. Der Ort sollte vage bleiben: Europa. Daher spiegeln die Namen meiner Figuren auch ihr gesamteuropäisches Erbe wider: Alexander, Peter, Julien, Karolina und Alfred. Ein zweiter Punkt, der für mich entscheidend war, ist, dass meine Figuren und mein Roman fiktiv sind. Sie sind Ideen – Ähnlichkeiten mit und Anspielungen auf reale lebende oder tote Personen oder reale Ereignissen sind nicht von mir beabsichtigt. Denn dies ist keine Satire, dies ist ein Roman. Und ich hoffe, er gefällt euch.

Viel Spaß beim Lesen!

 

Mehr Infos:

Buchseite zu „Königreich zu verschenken“

Figuren aus „Königreich zu verschenken“